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Eine Wanderung hinauf zum Måstadfjell.
Es ist Samstag der 29. Juli 2006, 07.00 Uhr und strahlend blauer Himmel über uns. Wir wollen die Gunst der Stunde nutzen und eine Wanderung zu dem verlassenen Ort Måstad machen. Wir, das bin ich, meine Frau Monika,
unser Lundehundrüde Tjalfe, gut drei Jahre alt, unsere Lundehündin Gonnie fast 4 Jahre alt und unser Lundehundnesthäkchen Askja, gerade mal 7 Monate alt. In aller Ruhe wird gefrühstückt, Verpflegung für
unterwegs eingepackt und zusammen mit einem Trinkvorrat im Rucksack verstaut. Um 08.30 Uhr gehen wir los.
Immer noch keine Wolke am blauen Himmel zu sehen. Geht unsere Tour anfangs noch quer zu einem steilen Berghang an der Westseite der Insel Værøy bergauf und bergab, so folgt nach kurzer Zeit ein Geröllfeld
mit mehr oder weniger großen Steinen. Hier kann man erahnen, dass sich vor nicht allzu langer Zeit so manche Steinlawine zur linken gelöst hat. Die ganze Zeit heißt es vorsichtig sei, denn diese Seite der
Insel liegt noch im Schatten und der Untergrund ist stellenweise sehr rutschig. Zumindest unsere Vierbeiner haben mit der Beschaffenheit unseres Wanderweges keine Probleme, und unser kleines Lundehundmädchen
hüpft und springt die Felsen rauf und runter, als hätte sie in ihrem bis jetzt noch kurzen Leben nichts anderes gemacht. Damit man nicht die Orientierung verliert, ist in unregelmäßigen Abständen eine rote
Markierung an den ein oder anderen Felsbrocken gezeichnet.
Nach ungefähr eine Stunde kommen wir an den Punkt, wo der nördliche und der südliche Teil der Insel zusammenstoßen. An dieser Stelle ist die Insel nur wenige 100 Meter breit. Hier kann man noch deutlich
erkennen, wie man hier vor vielen Jahren einen Steinweg angelegt hat. Doch man kann auch sehen, dass mit der Zeit eine Pflanzendecke versucht, dieses Steinweges Herr zu werden. Als nächstes folgen wir
einem gut ausgetretenen, in den Fels gearbeiteten, an manchen Stellen nur gut einen Meter breiten Pfad, der nun an der Ostseite der Insel verläuft. Dieser abenteuerliche Weg schlängelt sich an den Fels
anlehnend bergauf und bergab führend südwärts. An besonders gefährlichen Stellen ist sogar ein Drahtseil zur Sicherung angebracht. Plötzlich macht unser Naturpfad eine starke Rechtsbiegung und unser
Blick fällt zum ersten Mal auf Måstad.
Es ist schon ein seltsames Gefühl, du siehst diesen Ort vor dir, von dem du weißt, dass hier deine geliebte Hunderasse herkommt, da läuft dir schon eine Gänsehaut den Rücken runter. Das letzte Stück
bis zu unserem vorläufigen Ziel ist verhältnismäßig einfach zu gehen, wir folgen dem ausgetretenen Naturpfad, der sich eine Spur in das hohe Gras gearbeitet hat.
Das erste Gebäude, das wir erreichen, ist die ehemalige Schule. Hier machen wir eine kurze Rast. Eine Stärkung mit Wasser und Brote mit Ziegenkäse für uns Zweibeiner sowie Wasser und Leckerli für
unsere Vierbeiner stärkt schon die Moral. An der Wasserquelle am anderen Ende des verlassenen Geisterdorfes füllen wir unsere Wasservorräte wieder auf, denn Tjalfe und ich wollen noch weiter gehen,
unser Ziel ist der Bergrücken über Måstad.
Das größte Problem ist erst mal, unsere anderen beiden Hunde daran zu hindern uns zu folgen. Vor allen Dingen Gonnie versucht mit aller Gewalt ihr Rudel zusammen zu halten.
Nun folgt der anstrengende Teil der Wanderung, der Anstieg hinauf zum Måstadfjell.
In Serpentinen windet sich der Pfad langsam aber sicher nach oben. Da sich dieser Teil des Berghanges den größten
Teil des Tages im Schatten befindet, ist es stellenweise noch rutschiger als zu Beginn der Wanderung. Aber auch hier erweist sich der Wanderstock als sehr hilfreich. Tjalfe läuft vor und bleibt
immer wieder in kurzen Abständen stehen und dreht sich zu mir um, als wollte er fragen: "Na, geht's noch?".
Oben auf dem Grad angekommen haben wir eine herrliche Aussicht. Unter uns liegt Måstad,
weiter östlich sieht man Sörland, den gröten der beiden Orte auf Værøy und am Horizont ganz im Osten ist die Bergkette des norwegischen Festlandes zu erkennen. In südwestlicher Richtung sieht man
klar und deutlich die Inselgruppe Røst. Wir aber gehen über den Bergkamm in nördliche Richtung weiter.
Måstadfjellet heißt dieses Gebirge, was übersetzt soviel heißt wie Gebirge über Måstad. Bald
entdecke ich über uns drei Seeadler, die auf der Suche nach Nahrung ihre Kreise ziehen. Ob Lundehunde auch auf ihrem Speisezettel stehen? Vorsichtshalber rufe ich Tjalfe zu mir, und nun weicht er
mir kaum noch von der Seite, als ob er wüsste, welche Gefahr ihm von da oben droht.
Nach kurzer Zeit erreichen wir den Punkt des Måstadfjells, von dem man eine beispiellose Aussicht in Richtung Norden auf die unbewohnte Insel Mosken und die dahinter liegende Inselgruppe der
Lofoten hat.
Schnell sind die Anstrengungen des langen und mühseligen Anstieges vergessen. Stundenlang könnte ich hier sitzen und die Aussicht genießen. Aber ich möchte noch zum nahe gelegenen
Lundeura weitergehen. Lundeura ist nichts anderes als die Bezeichnung für einen Geröllhang, bestehend aus großen und kleinen Felsbrocken, in denen die Papageientaucher ihre Bruthöhlen gegraben haben.
Nach kurzer aber beschwerlicher Kletterei bergabwärts erreichen wir so einen Lundeura. Auf den Felsen sitzen mehrere dieser etwa taubengroßen Vögel in der Mittagssonne. Sie sind sehr zutraulich und
lassen uns bis auf wenige Meter an sich herankommen. Man sagt zwar, daß Lundehunde in all den Jahren ihren angeborenen Jagdinstinkt nicht verloren haben, jedoch zeigte mein Tjalfe nicht das geringste
Interesse an diesen Vögeln. Selbst das für Papageientaucher typische tiefe und raue "orrr", das aus den Bruthöhlen drang, hat für den Lundehundrüden nur ein kurzes, neugieriges Schnuppern zur Folge.
Während ich noch weiter interessiert den Papageientauchern zusehe, liegt Tjalfe im Schatten eines Felsens und ruht sich aus für neue Taten.
Langsam wird es Zeit, die Rückreise anzutreten. Immer noch steht die Sonne am wolkenlosen Himmel, nur ein leichter Wind bringt ein wenig Abkühlung. Wo wir Zweibeiner uns mühselig die Felsen hinauf
und hinab quälen müssen, ist es herrlich mit anzusehen, wie Lundehunde immer den für sie besten Weg finden und dann mit so einer Leichtigkeit die Felsvorsprünge auf- und abspringen, als hätten sie
nie etwas anderes gemacht.
Es scheint als wäre diese Hunderasse extra für diese Landschaft erfunden worden. Noch ein letzter Blick auf den Vogelfelsen, auf die Seeadler und auf die umliegende
Inselwelt und dann beginnt der Abstieg nach Måstad.
Unten angekommen geht unser erster Weg gleich zur Wasserquelle um unseren Durst zu stillen. An der alten Schule werden wir freudig von unseren Zurückgelassenen begrüßt. Gemeinsam begeben wir uns
nun auf den Rückweg nach Nordland. Der Rest des Weges ist nicht mehr ganz so spektakulär, nur halt wieder bergauf und bergab, über ausgetretene Wiesenpfade, über Geröllhalden und Salzwiesen sowie
über Felsbrocken kletternd kommen wir schließlich erschöpft aber glücklich am späten Nachmittag am Ausgangspunkt unserer Wanderung an.
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